Beginn der ersten Fallstudie

30. April 2015 / Moritz von Gliszczynski

Gelingende Kooperationen im Sozialraum geht langsam aber sicher voran: Die Auswahl für die erste qualitative Fallstudie ist gefallen und die Datensammlung hat Ende April begonnen. Die Wahl für das erste Quartier, dessen Netzwerk- und Kooperationsstrukturen vertiefend untersucht werden, ist auf Hainholz (Hannover) gefallen.

Hainholz, heute am nördlichen Rand der Innenstadt von Hannover gelegen, ist ursprünglich ein vor Hannover gelegenes Bauerndorf, das Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Ansiedlung diverser Industriebetriebe im Ort nach Hannover eingemeindet wurde und zu einem typischen Arbeiterviertel wuchs. Die Häufung allseits beklagter Problemlagen im Quartier - so zum Beispiel hohe Arbeitslosigkeit, Bildungsferne und Integrationsprobleme - war 2001 Grund für die Aufnahme in das Bundes- und Länderprogramm "Soziale Stadt", mit dem die bauliche Aufwertung und die Verbesserung der Lebensbedingungen in benachteiligten Quartieren verfolgt wird.

Hainholz ist vor allem aus zwei Gründen ein interessanter Fall: Erstens wird das im Rahmen von "Soziale Stadt" eingerichtete Quartiersmanagement in allen Programmgebieten in Hannover - auch in Hainholz - direkt von der Stadtverwaltung betrieben, die in der ganzen Stadt aktiv Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement einsetzt und fördert. Das sorgt für andere Bedingungen als in vielen Städten in Niedersachsen, die das Quartiersmanagement an externe Auftragsnehmer aus der freien Wirtschaft oder dem sozialen Sektor vergeben. Zweitens existieren in Hainholz zum Teil über Jahrzehnte gewachsene lokale Strukturen der Kultur- und Vereinsarbeit, die sicherlich auch auf einem stabilen Kern der Bewohnerschaft mit langer Verweildauer im Viertel beruhen. In ersten Gesprächen vor Ort wurde der starke Zusammenhalt im Quartier und der fast schon dörfliche Charakter der lokalen Strukturen betont.

Die Interaktion zwischen diesen gewachsenen Strukturen und dem städtischen Quartiersmanagement bietet für Gelingende Kooperationen im Sozialraum einen interessanten Zugang zu der Art und Weise, in der Zusammenarbeit in sogenannten sozialen Brennpunkten organisiert wird. Schon eine erste Recherche hat deutlich gemacht, dass das Geflecht der Beziehungen zwischen denen in Hainholz tätigen Menschen und Einrichtungen hochgradig komplex und verzweigt ist. In den kommenden Wochen wird mit den Bewohnern, Ehrenamtlichen und Professionellen die sich in Hainholz engagieren durch Gruppendiskussionen und Interviews erarbeitet, was Kooperation in Hainholz bedeutet. Im Anschluss finden sich an dieser Stelle auch die mit Spannung erwarteten ersten Ergebnisse.