Niedersächsisches Bewohner/innen-Treffen: spannende Diskussion von Integrationsexpert/innen

30. September 2016 / Johanna Klatt

In der Hildesheimer Nordstadt fand am 27.September das Bewohner/innen-Herbst-Treffen zum Thema „Ankunftsorte“ statt.. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten zum Teil eine sehr lange Anreise auf sich genommen, aus Salzgitter, Göttingen, Sarstedt, Barsinghausen, Seelze und - nicht zuletzt – Cuxhaven. Die Fahrt hatte sich gelohnt, denn nur selten trifft ein derartiges Expert/innenwissen aufeinander und die Diskussionen waren mitunter lebhaft. Oder, um Frank Auracher von der Nordstädter Gemeinwesenarbeit zu zitieren: „Kaum war mal eine Pause, brummte es im Saal“.

Bewohnerinnen mit zum Teil über 30 Jahren Erfahrungen in der Integrationsarbeit trafen unter anderem auf in den Stadtteilen neu Angekommene. Und die Nordstadt, die seit „über 100 Jahren im Grunde ein Ankunftsort ist“, unterstrich Pastor Hans Christoph Hermes von der Martin-Luther-Gemeinde, bot einen guten, nicht zuletzt geschichtsträchtigen, Ausgangspunkt für die intensiven Gespräche. „Wie viel Unterstützung gab es früher, wie viel heute? Was ist dabei eigentlich fair und gerecht? Und: Wie neidisch darf ich eigentlich sein?“, lauteten Fragen, über die sich intensiv auseinander gesetzt wurde. An ihrem Ende stand jedoch bei Allen das Ziel: „Wir müssen das alle  gemeinsam überlegen“. Sowie die Erkenntnis, dass man unbedingt vermeiden müsse, Fehler, die damals gemacht wurden, nun zu wiederholen.

Geheimtipps wurden auch weitergegeben. Zum Beispiel: „Sucht eine ‚Seele‘ in eurer Gemeinde!“, denn aus über 30 jähriger ehrenamtlicher Integrationsarbeit ließe sich sagen, dass man „mindestens eine Seele brauche, die sich um die anderen kümmert“. Seelen dieser Art waren an diesem Tag so Einige aufeinander getroffen. Und sie betonten, dass es gerade eine bestimmte Personengruppe sei, aus der diese oft stammten: „Es sind viele Frauen mit Migrationshintergrund, die so viel ‚still machen‘, zum Teil seit 10 bis 20 Jahren.“ Gerade sie müssten eigentlich in Zukunft auch ihre Wege in hauptamtliche Strukturen für die Stadtteile finden.

Wichtige Themen des Austausches, der angeregt wurde durch die vielen Projekte in der Hildesheimer Nordstadt, waren insbesondere die Erfahrungen mit Wochen- und Stadtteilmärkten und mit Gartenprojekten. Und auch zu Sprachbildungsprogramme, wie zum Beispiel „Rucksack“, wurde das Expert/innenwissen ausgetauscht. „Für einen vernünftigen Ankunftsort braucht es aber auch Begegnungsräume“, war eine weitere zentrale Erkenntnis, die immer wieder betont wurde. Hingewiesen wurde an dieser Stelle auf den neuen „Investitionspakt für sozialen Zusammenhalt“ des Bundesbauministeriums, der Unterstützungsmöglichkeiten für die vor Ort-Ebene ankündigt.

Von der „Tour der Religionen“, über Geschichtswerkstätten bis hin zu regelrechten „Botschafter-Empfängen“ konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich am Beispiel der Hildesheimer Nordstadt eine Vielzahl von Anregungen mitnehmen. Und nicht zuletzt auch die Botschaft: „Denkt an die Botschaft“ und redet über die viele tolle Arbeit, die oftmals nur wenig beachtet und ‚leise‘ in den Stadtteilen geschieht.

Unser Dank gilt den vielen Engagierten aus der Hildesheimer Nordstadt: Karin Hauk, Nevin Sahin, Siggi Stern und alle anderen rund um das Team von Frank Auracher vom Nordstadt.Mehr.Wert sowie Pastor Hans Christoph Hermes von der Martin-Luther-Gemeinde für die herzliche (und nicht zuletzt so schmackhafte) Gastfreundschaft. Wir freuen uns bereits auf die nächsten Treffen – im Dezember zum traditionellen Advents- und Dankestreffen in der Hannoveraner Geschäftsstelle, im Frühjahr im AWISTA in Salzgitter Fredenberg, sowie im Frühjahr/Frühsommer in Cuxhaven…

Fortsetzung folgt!