Gemeinsam aktiv werden im Iduna

Gemeinsam aktiv werden im Iduna
Selbstorganisation und Vernetzung der Bewohner:innen des Iduna-Zentrums beginnen

Zielgruppe

Kontaktdaten

Institut für angewandte Kulturforschung e.V.
Am Leinekanal 4
37073 Göttingen
Telefonnummer: 
0551 487066

Projektbeschreibung

Im Iduna-Zentrum in Göttingen, einem über Göttingen hinaus bekannten sozialen Brennpunkt im Sanierungsgebiet des Programms „Sozialer Zusammenhalt“, leben viele Menschen in herausfordernden sozialen Situationen und heterogenen Problemlagen. Aufgrund dieser existiert bislang keine kollektive Selbstorganisation, sodass die Bewohner:innen im Programm weder präsent noch selbst repräsentiert sind.

Das Projekt setzt genau hier an: Ziel ist es, Bewohner:innen aktiv zu befragen, sie niedrigschwellig miteinander in Kontakt zu bringen und sie schrittweise dabei zu unterstützen, eigene Anliegen zu formulieren und gemeinschaftlich aktiv zu werden. Statt punktueller Angebote entsteht ein langfristiger Prozess der Selbstorganisation.

Kern des Vorhabens ist der Aufbau kleiner, verlässlicher Gruppen und Begegnungsformate direkt im Wohnumfeld. Diese werden durch Community Organizing begleitet – einen Ansatz, der darauf abzielt, Menschen zu befähigen, ihre Lebensbedingungen selbst mitzugestalten und nachhaltige Beteiligung sowie gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Die Projektleitung hat zeitweise selbst im Gebäude gewohnt, mehrere Jahre an der angrenzenden Privaten Hochschule (PFH) gearbeitet und kennt deshalb den Ort sehr gut. Er engagiert sich als Bürger:innenvertreter bereits im Sanierungsgebiet. Der Trägerverein IFAK unterstützt das Projekt verwaltungstechnisch und mit seiner soziokulturellen Expertise.

Fachlich wird das Projekt durch Frau Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic von der angrenzenden PFH durch Beratung und Supervision im Hinblick auf die gesetzten Ziele und die Berücksichtigung der Qualitätsstandards der Gemeinwesenarbeit begleitet. Sie bekommt die Probleme vor Ort aufgrund der geografischen Nähe der PFH auch selbst regelmäßig mit.

Die Projektleitung bringt fundierte praktische Erfahrung aus der Gründung und Entwicklung der angrenzenden erfolgreichen Nachbarschaftsinitiative Forum Waageplatz-Viertel ein. Darüber kann das Vorhaben durch gelebte Nachbarschaftshilfe von der Initiative profitieren.

Das Projekt ergänzt bestehende Strukturen im Sanierungsgebiet „Sozialer Zusammenhalt“ und soll in enger Kooperation mit dem Quartiersmanagement umgesetzt werden. Es trägt dazu bei, Bewohner:innen zu stärken, Isolation zu reduzieren und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu fördern.

Über die erste Förderperiode hinaus wird sicher noch eine weitere Begleitung nötig sein. Diese wird allerdings schrittweise reduziert werden. Denn von Anfang an ist das Projekt darauf ausgerichtet, die externe Unterstützung durch interne im eigenen und kollektiven Interesse handelnde Kräfte entbehrlich zu machen. Dabei wird gezielt die Selbstwirksamkeit der Beteiligten gestärkt, sodass sie zunehmend eigenständig Verantwortung übernehmen und nachhaltige Strukturen aus eigener Initiative und Befähigung weiterentwickeln.

Das Iduna-Zentrum gilt als sozialer Brennpunkt mit einer hohen Konzentration sozial benachteiligter und heterogener Bewohner:innen. Diese Ausgangslage erschwert nachbarschaftliches Zusammenleben, gegenseitiges Vertrauen und gesellschaftliche Teilhabe.

Bestehende Unterstützungsangebote stoßen an strukturelle Grenzen: Sie sind häufig projektförmig, institutionell gebunden oder für viele Bewohner:innen schwer zugänglich. Gleichzeitig fehlen im Gebäude selbst niedrigschwellige Räume und kontinuierliche Ansprechpersonen, die eine langfristige Organisierung ermöglichen.

Die bisherigen Gemeinschaftsräume sind aufgrund eines durch das gesamte Gebäude verlaufenden Wasserschadens und damit verbundenen Schimmel- und Ungezieferbefalls kurz- und mittelfristig nicht mehr nutzbar. Zudem können kommunale Förderinstrumente im Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ keine längerfristigen Honorar-Kosten abdecken.

Vor diesem Hintergrund besteht ein konkreter Bedarf an einer verlässlichen lokalen Infrastruktur und kontinuierlicher Beziehungsarbeit, um Selbstorganisation, gegenseitige Unterstützung und aktive Mitgestaltung durch die Bewohner:innen zu fördern.

Beziehungen stiften zwischen Bewohner:innen und Brücken bauen für einen Dialog

Verlässliche Kontakte zu Bewohner:innen sind geschaffen.

Durch regelmäßige Präsenz im Iduna Zentrum und die persönliche direkte Ansprache von Bewohner:innen soll eine niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit angeboten werden. In einer vertrauensvollen Atmosphäre sollen Gespräche ermöglicht werden, die durch regelmäßigen Austausch mit dem Projektinitiator motivierend für Bewohner:innen sind und sie öffnen, über ihre Anliegen und Ideen nachzudenken. Zweimal in der Woche für je 2,5 Stunden wird der Projektinitiator vor Ort am Gebäude sein und direkt auf Bewohner:innen zugehen. Dabei soll versucht werden, mit allen Gruppen des Hauses in Kontakt zu treten und sie zu Gesprächen einzuladen.

Bewohner:innen lernen sich gegenseitig besser kennen und sind besser miteinander vernetzt.

Die interessierten und aktiven Bewohner:innen sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden, um sich über ihre Anliegen und Ideen auszutauschen und sich gegenseitig kennenzulernen. Gemeinsam können sie über die Situation im Iduna Zentrum sprechen und z.B. auch Konflikte beschreiben und ihre Bedarfe formulieren. Hierfür finden im Projektverlauf etwa 5 Gruppentreffen statt. In einer nächsten Projektphase im nächsten Jahr können sich aus diesen Vernetzungstreffen weitere Aktivitäten für die gesamte Bewohnerschaft ergeben, z.B. ein Fest oder eine partizipative Aktion zur Vorstellung aller Bewohner:innen im Iduna Zentrum.

Die Beziehungen unter den Bewohner:innen sind durch community organizing stabilisiert und gestärkt.

Probleme und Bedarfe von Bewohner:innen sind benannt und zusammengestellt.

Die Beziehungsarbeit wird mit Methoden des communiy organizing intensiviert und ermöglicht nach einer gewissen Zeit, offener Probleme und Bedarfe von Bewohner:innen anzusprechen und zu erheben. Gemeinsam mit der Kerngruppe werden möglichst viele Bewohner:innen auf unterschiedlichen Wegen angesprochen und eingeladen sich einzubringen, um aus der Erhebung Aktivitäten und Aktionen abzuleiten (für eine folgende Förderperiode). Die Ansprache kann persönlich und per Aushang und Flyer erreicht werden ebenso wie über die Repräsentant:innen der Kerngruppe. Bedarfsorientiert können neue Gesprächsformate für Gruppen und moderierte Kleingruppentreffen stattfinden. Dieser Prozess muss offen und niedrigschwellig gestaltet sein und auf Zustimmung der Bewohner:innen stoßen. Er wird in die Präsenzarbeit des Projektinitiators integriert.

Bewohner:innen konnten Selbstwirksamkeit erleben und werden aktiv.

Bewohner:innen gestalten die Prozesse der Erhebungen mit und tragen dazu bei, dass ihre Bedarfe benannt und dokumentiert sind. Ein Kernteam bringt sich aktiv in den Prozess und die Aktivitäten ein. Weitere Maßnahmen wie die Priorisierung von Projektideen und eine ergebnisoffene Planung von Aktionen würden in einer Folgeförderung die Selbstwirksamkeit der Bewohner:innen weiter steigern und müssten einer Erhebung unbedingt folgen.

Der Bedarf von Bewohner:innen für Räume für ihr Gemeinwesenleben ist erhoben und Möglichkeiten der Umsetzung recherchiert.

Die Anforderungen an einen Treffpunkt sind von Bewohner:innen formuliert und Möglichkeiten zusammengetragen.

Gemeinsam mit aktiven Repräsentanten der Bewohnerschaft werden die notwendigen Anforderungen für Treffpunkte diskutiert und erhoben. Dialog- und Begegnungsräume können ganz unterschiedlich gestaltet und klein, punktuell und aktionsorientiert sein oder aber physische Räumlichkeiten umfassen wie eine Wohnung im Iduna Zentrum, ein Container auf dem Parkplatz, leerstehende Gemeinschaftsräume oder auch leere Räume bei angrenzenden Mietern. Gemeinsam mit Bewohner:innen sollen diese Möglichkeiten recherchiert werden und gleichzeitig die Bedarfe von Bewohner:innen erhoben werden. Diese Fragestellungen werden in Treffen mit der aktiven Kerngruppe diskutiert und zusammengetragen und von den Bewohner:innen innerhalb der Bewohnerschaft weitergegeben. Ggf. müssen diese Aktivitäten in einer weiteren Förderphase fortgesetzt werden. Ein Raum wäre sehr hilfreich, um den Bewohner:innen mittel- und langfristig einen Ort für Selbstaktivierung und Selbstwirksamkeit für Aktionen und Begegnung zu bieten.

Ein Raum für Aktivitäten der Bewohner:innen ist geschaffen und eingerichtet.

Die Rechercheergebnisse sind ausgewertet und ggf. ein Raum angemietet oder eine alternative Form des Dialog- und Aktionsraums gemeinsam geschaffen und gemeinsam eingerichtet. Auch hierfür sind Treffen und gemeinsames Aktiv werden notwendig.
Stadttyp: 
Großstadt (über 100.000 Einwohner)
Einwohnerzahl des Projektgebietes: 
600
Das Projektgebiet liegt im Programmgebiet „Soziale Stadt“: 
ja
Zeitraum (aufgenommen / beendet): 
15.04.2020
Quelle / Anmerkungen: 
Vorbereitende Untersuchungen (16.01.2019) / 3.3 Demographie
Abgrenzung des Projektgebietes: 
Wohnungsteil des Idunazentrums, Maschmühlenweg 4-6
Projektgebiet geprägt durch: 
Hohe Einwohnerdichte, Erhöhter Modernisierungsbedarf bei Wohngebäuden, Wenig attraktives Wohnumfeld, Anonyme Frei- und Grünflächen mit Defiziten in der Aufenthaltsqualität, Bauliche Mängel in der vorhandenen Infrastruktur, Fehlen von Einrichtungen mit Treffpunkt-Charakter, Fehlende Sicherheit im öffentlichen Raum, Ein schlechtes Gebietsimage, Starke und übermäßig schnelle Veränderung der Bewohnerstruktur, Zunahme von Transferleistung
Merkmale des Projektgebietes: 

Anteil Kinder (bis 14 Jahre)

Anteil Kinder (bis 14 Jahre)

Anmerkung: 
Es konnten weder für das Projektgebiet noch für die Gesamtstadt nutzbare Werte gefunden oder abgeleitet werden. In der vorbereitenden Untersuchung von 2019 steht: "Der Anteil der unter 18-jährigen und der über 65-jährigen ist im Vergleich zur Gesamtstadt jedoch deutlich geringer. Dies ist für ein innerstädtisches Gebiet typisch und spiegelt die Attraktivität als Wohnort für Studierende und junge Erwachsene wider. Dennoch wohnen 172 Kinder und Jugendliche im Gebiet, davon 91 im Iduna-Zentrum, und somit anteilig mehr als in der Innenstadt."

Jugendliche/junge Erwachsene (bis 26 Jahre)

Anmerkung: 
Es konnten leider weder für das Projektgebiet noch für die Gesamtstadt nutzbare Werte gefunden oder abgeleitet werden.

Anteil der älteren Bewohner/innen (ab 60 Jahre)

Anteil der älteren Bewohner/innen (ab 60 Jahre)

Anmerkung: 
Auch hier leider keine Angaben auffindbar. In einer Berichterstattung werden unter den Bewohnern auch „verarmte Rentner“ erwähnt, also Menschen im Ruhestand, was zeigt, dass dort auch ältere Personen leben. https://www.wsws.org/de/articles/2020/06/08/coro-j08.html Der Projektleiter ist auch schon mit einem dort lebenden Rentner in Kontakt und betreut eine Seniorin, die dort nicht mehr wohnen konnte.

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