Die Wilhelm-Leuschner-Straße im Stadtteil Borßum ist eine für die 70er Jahre typische Großwohnsiedlung mit 4-8geschossigen Flachdachhäusern. Bei der Siedlung handelt es sich um einen sozialen Brennpunkt. Durch wiederholten Verkauf und die Umwandlung in Eigentumswohnungen ist die Investitionsbereitschaft stark zurückgegangen, mit der Folge, dass bauliche und infrastrukturelle Mängel immer deutlich hervortreten. Die Siedlung verfügt nur über eine zentrale Spielanlage für die Kinder, ansonsten fehlt jegliche soziale Infrastruktur. Wesentliche Kennzeichen der Siedlung sind der extrem hohe Kinder und Jugendanteil und der sehr hohe Ausländeranteil (Hier belegt die Wilhelm-Leuschner-Straße unter den 40 Sozialräumen, die als statistische Gebiete abgegrenzt wurden, die Rangplätze 1 und 2). Außerdem ist der Anteil, der hier lebenden Flüchtlinge extrem hoch. Die Grundschule, ein Kindergarten und das Jugendzentrum für den Stadtteil befinden sich noch gerade in fußläufiger Entfernung. Andere Treffpunkte oder Angebote sind aufgrund der Entfernung, sowie räumlicher und sprachlicher Barrieren nicht erreichbar. Die Stadtteilinitiative Borssum (SIBO) hat die isolierte Lebenssituation, den hohen Unterstützungsbedarf vor allem der Kinder und die Stigmatisierung der Siedlung zum Anlass genommen, im Innenbereich der Blocks ein Begegnungsfest zu organisieren und versucht Bewohner zu motivieren, an Gemeinschaftsaktivitäten teilzunehmen. Darüber hinaus setzt sie sich für eine professionelle Unterstützung ein. In der Startphase des Projektes sind die vielschichtigen Problemstrukturen der Bewohner und das hohe Konfliktpotenzial zwischen den verschiedenen Gruppen (deutschen-nicht deutschen, Migranten aus EU-Ländern –Flüchtlinge) deutlich geworden.
Ergänzung Ausgangslage Projektjahr 2018:
Aufgrund des stetigen Wandels in der Flüchtlingspolitik veränderte sich im Laufe des Jahres 2017 die Anzahl der Flüchtlinge und deren aufenthaltsrechtlicher Status in der Siedlung. Durch Familiennachzug nimmt die Zahl der alleinstehenden Männer stetig ab, die von Familien entsprechend zu. Zudem ist für 2018 mit einem größeren Zuzug kroatischer Leiharbeiter zu rechnen.
Ergänzung Ausgangslage Projektjahr 2019:
Die Bewohnerstruktur der Siedlung verändert sich weiterhin und es ist ein Zuzug von osteuropäischen EU-Bürgern zu erwarten, so dass auch die Flüchtlingssozialarbeit zur Migrationssozialarbeit werden könnte. Die Stärkung des Miteinanders der Bewohnergruppen bleibt weiterhin eine Aufgabe durch die starke Fluktuation.
Ergänzung Ausgangslage Projektjahr 2020:
Die Situation in der Siedlung wird vielfältiger: einerseits sorgt die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt nun auch in Emden dafür das Bewohner länger in der Siedlung verweilen (müssen). Dann gibt es weiterhin Zuzug von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen aufgrund der günstigen Grundmieten. Doch es werden auch vermehrt Wohnungen renoviert und dann auf dem Wohnungsmarkt angeboten mit Überprüfung der Einkommensstiuation und Vormieterbescheinigungen, so das es zu einer Verdrängung der Bezieher von Transferleistungen kommen kann oder soll.
Ergänzung Ausgangslage Projektjahr 2021:
Wie erwartet ziehen vermehrt neue Bewohnergruppen in die Siedlung: Berufstätige mit kleinen und mittleren Einkommen sowie Rentner. Von Seiten der Vermieter/Vermietungsgesellschaften wird vermehrt gegen säumige Zahler vorgegangen, bis zur Räumung hin. Bestimmte osteuropäische Arbeitsmigranten und Familienverbände erhalten aufgrund der nicht so positiven Erfahrungen mit der Zahlungsmoral und Nichteinhaltung der Hausordnung kaum noch Wohnungen.